Inhaltszusammenfassung:
Viele Patienten mit chronischer Nierenkrankheit (CKD) leiden unter einer renalen Anämie, welche ihre Leistungsfähigkeit und Lebensqualität erheblich einschränkt und mit einer schlechteren Prognose assoziiert ist. Diese Anämie ist bei dialyse-pflichtigen CKD-Patienten nicht nur durch eine progressive Reduktion der endogenen Erythropoetin-Produktion und einen Eisenmangel, sondern außerdem durch einen vermehrten vorzeitigen Zelltod der Erythrozyten (Eryptose) bedingt. Weiterhin kann eine verstärkte Eryptose mit Mikrozirkulationsstörungen und einer erhöhten Thromboseneigung einhergehen. Die Einschätzung der Eryptoserate mittels durchflusszytometrischer Messung der Phosphatidylserin- (PS-) Exposition auf der Erythrozyten-Oberfläche ist bei Dialysepatienten etabliert.
In der vorliegenden Querschnittsstudie wurde die PS-Exposition bei nicht-dialysepflichtigen CKD-Patienten aller Stadien und zum Vergleich bei gesunden Kontrollpersonen durchflusszytometrisch bestimmt. Dadurch konnte evaluiert werden, ob auch bei nicht-dialysepflichtigen Patienten eine vermehrte Eryptose vorliegt. Außerdem wurde analysiert, ob ein Zusammenhang zwischen der Eryptoserate, der Hämoglobin- (Hb-) Konzentration und der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) und demographischen und laborchemischen Parametern vorlag. Es ergab sich eine signifikant erhöhte PS-Exposition bei den CKD-Patienten, die CKD-stadienabhängig zunahm. Die PS-Exposition korrelierte signifikant negativ mit der eGFR und der Hb-Konzentration der Patienten. Folglich könnte die Eryptose und die damit einhergehende verkürzte Lebenszeit der Erythrozyten auch bei nicht-dialysepflichtigen CKD-Patienten signifikant zur renalen Anämie beitragen.
Die bisherige Therapie der Anämie bei CKD ist vor allem auf eine Steigerung der Erythropoese ausgerichtet. Zukünftig gilt es, eine Hemmung der Eryptose bei CKD-Patienten als ergänzende Therapieoption genauer zu untersuchen und die Wirksamkeit in vitro Eryptose-hemmender Substanzen bei CKD-Patienten zu überprüfen. Außerdem muss festgestellt werden, ob eine mögliche antieryptotische Therapie mit unerwünschten Wirkungen, wie beispielsweise einer vermehrt auftretenden Hämolyse, einhergehen würde.