Einfluss von Melatonin bei der Delirprävention nach intrazerebralen Blutungen

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Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/183693
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1836936
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-125006
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2026-09-23
Sprache: Deutsch
Fakultät: 4 Medizinische Fakultät
Fachbereich: Medizin
Gutachter: Mengel, Annerose (Prof. Dr.)
Tag der mündl. Prüfung: 2026-07-24
DDC-Klassifikation: 610 - Medizin, Gesundheit
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

Das PSD stellt ein häufiges, ätiologisch unspezifisches, klinisch relevantes organisches Syndrom dar, mit akutem Beginn, fluktuierendem Verlauf und ausgeprägten kognitiven Symptomen, einschließlich Aufmerksamkeits- und Bewusstseinsstörung sowie Defiziten in den Bereichen Gedächtnis (insb. Kurzzeitgedächtnis), Wahrnehmung oder Orientierung. (2014, World Health, 1992, 2014). Mit einer Prävalenz des PSD nach ICB von über 50%, je nach Literatur, ist es häufiger als nach einem akuten ischämischen Schlaganfall (Caeiro et al., 2004, Reznik et al., 2022) und stellt eine schwerwiegende Komplikation nach einer intrazerebralen Blutung dar (Naidech et al., 2013, Boßelmann et al., 2019). Es gibt viele nicht pharmakologische Empfehlungen mit dem Ziel, die Auftretenswahrscheinlichkeit eines Delirs und damit verbundener Komplikationen zu minimieren. Dennoch bleiben die medikamentösen präventiven Behandlungsmöglichkeiten für PSD nach einer ICB begrenzt und sind bis heute ein Bereich für weitere Forschung. Diese Studie untersuchte, inwieweit die prophylaktische Verabreichung von Melatonin positive Auswirkungen auf PSD nach einer ICB haben könnte. Es wurde eine monozentrische, nicht-randomisierte, nicht-verblindete, prospektive Kohortenstudie mit 339 ICB-Patient*innen durchgeführt, die zwischen Dezember 2015 und Dezember 2020 auf die Stroke Unit (SU) des Universitätsklinikums Tübingen aufgenommen wurden. Die Kohorte bestand aus einer Kontrollgruppe mit ICB-Patient*innen, die eine Standardbehandlung erhielten, und der Interventionsgruppe mit ICB-Patient*innen, die zusätzlich prophylaktisch Melatonin (2 mg pro Tag, nachts) innerhalb von 24 Stunden nach ICB-Beginn bis zur Entlassung von der SU erhielten. Die Studie zeigt keine Wirksamkeit bei der präventiven Melatoningabe auf die PSD-Prävalenz nach ICB, da die PSD-Prävalenz in der Melatonin-Kohorte höher war als in der PSM-Kontrollgruppe. Da insbesondere das Alter der behandelten Patient*innen im Vergleich zu den Kontrollpatient*innen nach PSM etwas höher war (76 gegenüber 74,5 Jahren), könnte dies ein möglicher Grund für diese Ergebnisse sein. Zudem könnte das Ausbleiben einer prophylaktischen Wirkung von Melatonin auf die Prävalenz des PSD auf die in dieser Studie verwendete niedrige Melatonin-Dosierung von 2 mg zurückzuführen sein. Dies gilt insbesondere im Vergleich zu früheren Studien, die höhere Melatonin-Dosierungen verwendeten (Dianatkhah et al., 2017, Soltani et al., 2020). Angesichts dieser Erkenntnisse könnten höhere Melatonin-Dosen erforderlich sein, um deutliche präventive Effekte auf die Häufigkeit von PSD sichtbar zu machen. In der Studie zeigte sich jedoch, dass die vorbeugende Melatoningabe geringfügige positive Auswirkungen auf die SU-Aufenthaltsdauer und die PSD-Dauer bei PSD nach ICB haben könnte. Aufgrund dieser Assoziation kann auf ein mögliches therapeutisches Potenzial von Melatonin für die akute Therapie eines bereits aufgetretenen PSD geschlossen werden. Dies bedarf weiterer Forschung. Aufgrund methodischer Einschränkungen im Zusammenhang mit dem nicht randomisierten Studiendesign kann jedoch nicht völlig ausgeschlossen werden, dass der prophylaktische Nutzen von Melatonin möglicherweise unterschätzt wird. In Anbetracht der begrenzten verfügbaren therapeutischen Strategien für PSD erscheinen weitere prospektive Studien sinnvoll, um die Rolle von Melatonin bei der Vorbeugung und Behandlung von PSD nach ICB weiter zu bewerten und zu validieren.

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