Inhaltszusammenfassung:
Zielsetzung
Der intraoperative Ultraschall (IOUS) stellt in der chirurgischen Therapie
von sonographisch sichtbaren Mammakarzinomen eine Möglichkeit zur Reduktion
des R1-Anteils bei brusterhaltenden Tumorresektionen dar. Aufgrund der
fehlenden Standardisierung des IOUS war das Ziel der vorliegenden Studie, zu
untersuchen, ob eine standardisierte Verwendung des IOUS mittels „Tübinger Ultraschalllineal“
im Vergleich zu deutschlandweiten Daten der OnkoZert GmbH unabhängig
von einliegenden Drahtmarkierungen eine weitere Reduktion des R1-
Anteils bewirkt. Sekundäre Studienziele waren die Erhebung der intraoperativ entnommenen
Shavings, des Präparategewichts sowie der OP-Dauer.
Patientinnen und Methoden
In die retrospektive, monozentrische Studie wurden
273 Patientinnen eingeschlossen, die zwischen 1/2020 und 12/2024 aufgrund
eines ein- oder beidseitigen DCIS und/oder invasiven Mammakarzinoms eine
brusterhaltende Tumorresektion unter Verwendung des „Tübinger Ultraschalllineals“
erhielten. Dabei wurde der Tumor unter standardisierter Verwendung der
Ultraschallsonde im OP-Situs mit einem Sicherheitsabstand von 10 mm in allen
Richtungen unabhängig von einliegenden Markierungsdrähten entfernt. Nach der
Präparatebildgebung bestand die Möglichkeit zur selektiven Shavingentnahme.
Ergebnisse
Es wurden 282 Datensätze ausgewertet. Bei alleiniger Betrachtung
des Hauptresektates lag ein R1-Anteil von 18,8 % vor. In 156 Fällen wurden nach
Vorliegen der Präparatebildgebung selektive Shavings entnommen, wodurch der
R1-Anteil auf 8,5 % reduziert werden konnte. Verglichen mit der OnkoZert-Kontrollgruppe
mit einem R1-Anteil von 12,34 % ergab sich eine signifikante Reduktion des R1-
Anteils durch den standardisierten Einsatz des „Tübinger Ultraschalllineals“ und
die Präparatebildgebung (p = 0,043).
Ein Hauptresektat wog durchschnittlich 110,5 g, wobei die Hauptresektate einer BEO signifikant leichter waren als bei einer TARP (p < 0,001). Im Mittel dauerte
eine Tumorresektion 69,7 Minuten.
Schlussfolgerung
Durch den standardisierten Einsatz des „Tübinger Ultraschalllineals“
in Kombination mit auf der Präparatebildgebung basierenden selektiven
Shavingentnahmen konnte der R1-Anteil bei brusterhaltenden Operationen gegenüber
der Kontrollgruppe unabhängig von der Tumorbiologie signifikant reduziert
werden (p = 0,043).