Inhaltszusammenfassung:
Chronische Schmerzen und Fatigue treten gehäuft im Zusammenhang mit somatischen Erkrankungen auf, so auch bei Tumorerkrankungen wie dem Multiplen Myelom oder rheumatischen Erkrankungen wie der systemischen Sklerose. Diese beiden Symptome stellen eine immense Belastung für die Patienten dar. Behandler stoßen häufig an ihre Grenzen und Patienten fühlen sich mit ihren Problemen häufig allein gelassen. Aufgrund der Komplexität empfehlen die Leitlinien bei chronischen Schmerzen und Fatigue ein multimodales Therapiekonzept, in welchem auch die komplementäre Anwendung von Entspannungstherapien empfohlen wird. In der stationären Behandlung hat die Entspannungstherapie erfahrungsgemäß eine eher geringe Bedeutung. Eine Induktion von Entspannung mittels Virtual-Reality-Videos stellt eine attraktive Alternative zu herkömmlichen Maßnahmen zur Schmerzreduktion für den Krankenhausalltag dar. Studien zeigen positive Effekte von verschiedenen VR-Interventionen bei den oben genannten Symptomkomplexen. Insgesamt scheinen VR-Intervention ebenfalls von Patienten gut angenommen zu werden und präsentieren sich meist als sehr nebenwirkungsarm. Sowohl Schmerzen als auch Fatigue sind für die Patienten oftmals die bedeutendsten Faktoren für eine Minderung der Lebensqualität und einen Verlust der Funktionalität im Alltag und im Beruf. Eine adäquate Behandlung sollte daher mit hoher Priorität angestrebt werden. Innovative Techniken, wie z.B. VR-Entspannung, könnten hier in Zukunft eine bedeutende Rolle einnehmen, da sie durch ihre immersive Wirkung aversive Effekte, wie die Induktion von Entspannung, möglicherweise effektiver induzieren können als herkömmliche Methoden.
Diese Phase II-Studie untersucht Machbarkeit, Akzeptanz, Nutzerrückmeldungen und Effektgrößen von ad libitum genutzten 360° Entspannungsvideos, präsentiert über ein Head-Mounted-Display, bei n = 27 hospitalisierten Probanden mit Multiplem Myelom und Systemischer Sklerose. Es wurde untersucht, ob eine solche Therapie im stationären Setting umsetzbar ist, wie die Patienten diese annehmen und ob sich mögliche Effekte auf den Umgang der Probanden mit Schmerzen und Fatigue, auf allgemeines Wohlbefinden und Lebensqualität zeigten. Die genannten Parameter wurden mithilfe von Fragebögen, freiem Feedback und einem Nutzungstagebuch analysiert und ausgewertet.
Es konnte gezeigt werden, dass die VR-gestützte Induktion von Entspannung mittels 360-Grad-Videos sich gut im stationären Setting im Krankenhaus umsetzen lässt. Dabei handelt es sich um eine sichere und nebenwirkungsarme Intervention, die von den Probanden überwiegend gut akzeptiert wurde. Es zeigten sich keine signifikanten Effekte auf eine mögliche Veränderung der Schmerzbewältigungsmechanismen sowie der Schmerzen, der Fatigue, der Lebensqualität und des allgemeinen Wohlbefindens. Jedoch beschrieben die Patienten im freien Feedback schmerzreduzierende und das Wohlbefinden verbessernde Effekte. Hieran und bei Betrachtung vergleichbarer Studien, die solche Effekte beschreiben, kann man ein großes Potenzial der Intervention für weitere Studien feststellen.
Für zukünftige Studien sollten eine höhere Fallzahl und ein längerer Erhebungszeitraum zur Erhöhung der Wahrscheinlichkeit für positive Effekte auf Schmerzen und Fatigue, zur besseren Einbindung in das ganzheitliche therapeutische Konzept, Kontrollen zum Vergleich zu herkömmlichen Entspannungsverfahren und zur besseren Generalisierbarkeit der in dieser Studie erlangten Erkenntnisse angestrebt werden.