Einflussfaktoren auf Verläufe einer Substitutionsbehandlung unter besonderer Berücksichtigung psychischer Komorbidität

DSpace Repositorium (Manakin basiert)


Dateien:

Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/180667
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1806678
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2026-06-11
Sprache: Deutsch
Fakultät: 4 Medizinische Fakultät
Fachbereich: Medizin
Gutachter: Batra, Anil (Prof. Dr.)
Tag der mündl. Prüfung: 2026-04-24
DDC-Klassifikation: 610 - Medizin, Gesundheit
Schlagworte: Methadon , Substitution
Freie Schlagwörter: Opioidabhängigkeit
Substitutionstherapie
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=en
Zur Langanzeige

Inhaltszusammenfassung:

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Substitutionstherapie, die ein unverzichtbarer Bestandteil in der Behandlung der Opioidabhängigkeit ist. Wichtige Therapieziele sind die Stabilisierung der Patienten durch Reduktion des illegalen Opioidkonsums, Verbesserung der psychischen und physischen Gesundheit und Möglichkeit der sozialen und beruflichen Reintegration. Die Forschungsarbeit untersucht, ob protektive und risikobehaftete Faktoren identifiziert werden können, die den Behandlungserfolg beeinflussen und in der Therapieplanung berücksichtigt werden sollten. Teilnehmer der klinisch prospektiven Studie waren Patienten der Substitutionsambulanz in Tübingen. Einschlusskriterien umfassten Volljährigkeit, bestehende Opioidabhängigkeit, Sprachkenntnisse und schriftliches Einverständnis. Von den 114 Patienten (Stand: 10.03.2022) wurden 68 Probanden (78%) rekrutiert. Die Datenerhebung, mit anschließender Stichprobenbeschreibung und Hypothesenprüfung, erfolgte in zwei Phasen: • t1: Durchführung von Einzelinterviews in einem fünfwöchigem Erhebungszeitraum. Die Dokumentation der Patientenmerkmale erfolgte mit einem Fragebogen. • t2: 6-Monats-Follow-Up, bei dem Daten zu Substitutionsstatus, Beigebrauch und beruflicher Entwicklung in einem Fragebogen dokumentiert wurden. 56 Probanden waren männlich und durchschnittlich 40 Jahre alt. Bei den Frauen betrug das Durchschnittsalter 36 Jahre. 90% wiesen eine weitere substanzbezogene Abhängigkeit auf, am häufigsten vertreten war die Nikotinabhängigkeit. Fast die Hälfte hatte eine dokumentierte psychische Komorbidität, am häufigsten genannt waren Depressionen mit einer Häufigkeit von 24%. Die Probanden befanden sich durchschnittlich seit 11 Jahren und 2 Monaten in Substitutionstherapie. Nach dem sechsmonatigen Beobachtungszeitraum zeigte sich, dass eine vorhandene Alkohol- und Nikotinabhängigkeit erhebliche Auswirkungen auf den Verlauf der Substitutionsbehandlung haben. Hohe Abhängigkeitswerte korrelieren mit einem erhöhten Risiko für einen Drogenbeikonsum und damit einhergehend mit einer erhöhten Rückfallwahrscheinlichkeit, was auch andere Studien bestätigen. Zudem zeigte sich, dass eine längere Therapiedauer nachweislich den Beikonsum reduziert und die Patienten stabilisiert. Wie auch schon in anderen Studien beschrieben wurde, konnte ein stark protektiver Einfluss nach erfolgter beruflicher Wiedereingliederung beobachtet werden. Die Probanden, bei denen eine berufliche Reintegration erfolgte, behielten mit hoher Wahrscheinlichkeit auch dauerhaft ihre Arbeitsstelle. Neben der beruflichen Situation konnte zudem der protektive Einfluss von sozialen Faktoren, wie Zufriedenheit mit dem Familienstand und ein unterstützendes Umfeld nachgewiesen werden. Eine stabile Wohnsituation erweist sich ebenfalls als wichtiger Schutzfaktor, während bestehende Obdachlosigkeit und instabile soziale Verhältnisse den Therapieerfolg gefährden. Psychische Komorbiditäten wirken sich unterschiedlich aus: aktuelle Probleme erhöhen das Rückfallrisiko und waren mit einer erhöhten Arbeitslosenquote assoziiert. Die Angabe von einer psychiatrischen Vorgeschichte, wie Depressionen und Einnahme von Psychopharmaka in der Vergangenheit, ist mit einem geringeren Drogenbeikonsum assoziiert und kann somit, als protektiver Faktor definiert werden.

Das Dokument erscheint in: