Elektronische Software zur Berechnung der Antibiotikadosierung bei Niereninsuffizienz- Nutzen oder Schaden? Retrospektive Untersuchung

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Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/180624
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1806249
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-121948
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2026-06-10
Sprache: Deutsch
Fakultät: 4 Medizinische Fakultät
Fachbereich: Medizin
Gutachter: Häberle, Helene (Prof. Dr.)
Tag der mündl. Prüfung: 2026-05-04
Freie Schlagwörter: Niereninsuffizienz
TDM
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/legalcode.de https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/legalcode.en http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

Die Antibiotika der Betalaktam-Gruppe werden wegen ihres breiten Spektrums und gleichzeitig vergeichsweise günstigem Nebenwirkungsprofil häufig eingesetzt. Die empfohlenen Dosierungsschemata aller Antibiotika wurden in ihren Zulassungsstudien festgelegt. Diese berücksichtigen aber nicht ausreichend die komplexen pathophysiologischen Veränderungen der kritisch Kranken sowie den häufigen Einsatz eines Organersatzverfahrens. Gleichzeitig ist es gerade diese Patientengruppe, die von maßgeschneiderter Dosierungsstrategie besonders profitiert, um eine Resistenzbildung zu vermeiden sowie die Nebenwirkungen zu reduzieren. Die häufig verwendeten Dosierhilfen wie Ulmer oder Freiburger Liste sind zwar einfach anzuwenden, sie liefern allerdings nur ungenaue Ergebnisse, da ihre Empfehlung anhand grob abgestufter Nierenfunktion geliefert wird. Die elektronische, internetbasierte Software “Caddy” ist ein einfach anzuwendetes Tool zur Dosiskalkulation bei Niereninsuffizienz. Die individuelle Dosierung wird anhand des aktullen GFR Wertes und der Einstellungen des Nierenersatzverfahrens. Auf der Station 39 wird als Goldstandard die kontinuierliche Gabe von Betalaktam-Antibiotika angewendet, die Dosis wird mittels Software “Caddy” kalkuliert. Die Messung des Antibiotikumspiegels mittels TDM wurde in einem externen Labor beauftragt. In dieser Untersuchung wurden die mit “Caddy” berechneten Dosierungen von Piperacillin/Tazobactam und Meropenem bei kritisch Kranken auf der Intensivstation ausgewertet und mittels Fischer 2-tail Test mit anderen Dosierungsmethoden verglichen. Die Daten wurden retrospektiv ausgewertet. Verglichen mit den in der Fachinformation empfohlenen Dosierungen zeigten die mit “Caddy” berechneten Dosen häufiger einen Spiegel im Zielbereich, was auf den Nutzen der computergestützter Software hindeutet, allerdings ohne statistische Signifikanz aufgrund kleiner Stichprobe. Weitere Studien (z. B. Heil et al., Roberts et al.) bestätigen den Vorteil solcher Softwaresysteme für eine individualisierte Therapie. Sie betonen jedoch, dass Dosierungsprogramme stets im Kontext der klinischen Situation und mit regelmäßiger Spiegelkontrolle angewendet werden müssen. Die Pharmakokinetik ist bei kritisch Kranken hoch variabel. Diese Komplexität wird jedoch in den Dosierungshilfen nicht ausreichend abgebildet. In dieser Studie wurden mehrere Faktoren auf ihren möglichen Einfluss auf Antibiotikaspiegel mittels Spearmans Test untersucht. Die (Rest-)Nierenfunktion, die Urinausscheidung, die Dialyseparmeter, der Albuminspiegel, der Flüssigkeitshaushalt, die Leberfunktion sowie mögliche Verluste über die Drainagen spielen eine entscheidende Rolle, was in mehreren Studien bereits gezeigt wurde. In dieser Studie konnte eine statistisch signifikante Korrelation zwischen dem Antibiotikumspiegel und der Länge der Pause an dem Dialyseverfahren gezeigt werden. Das Therapeutische Drug Monitoring (TDM) dient der Bestimmung von Medikamentenspiegeln im Serum, um Wirksamkeit und Sicherheit zu optimieren. Neuere Studien zeigen, dass TDM besonders bei kritisch Kranken wichtig ist, da durch die stark variable Pharmakokinetik häufig zu Unter- und Überdosierung kommen kann. TDM kann helfen, bakterielle Resistenzen und Toxizität zu vermeiden und die individuelle Therapie zu steuern. In der vorgestellten Studie lagen die meisten gemessenen Spiegel im Zielbereich, doch traten bei Patienten unter Dialyse häufig Überdosierungen auf. In einem Spearmans Test zeigte sich eine signifikante Korrelation zwischen Dosisänderung und verändertem Serumspiegel, was TDM als präzises Steuerungsinstrument bestätigt. Internationale Studien (z. B. DALI, TARGET, Richter et al.) zeigen, dass TDM die Wahrscheinlichkeit erhöht, therapeutische Spiegel zu erreichen, und teilweise die Heilungsrate verbessert. Ein klarer Nachweis für eine Senkung der Mortalität fehlt jedoch noch. Die Kombination aus individueller Dosierung, TDM und kontinuierlicher Infusion gilt heute als vielversprechendste Strategie. Zukünftig sollen lernende Systeme wie AutoKinetics im Patientendatensystem integriert werden, um Dosierungen automatisiert und in Echtzeit zu berechnen. Der Aufbau eigener TDM-Strukturen im Zentrallabor ermöglicht eine zeitnahe Bestimmung der Antibiotikaspiegel und verbessert die Therapieüberwachung. TDM ist ein unverzichtbares Instrument für die sichere und wirksame Anwendung von β-Laktam-Antibiotika bei kritisch Kranken. Softwarelösungen wie “Caddy” sind wertvolle Unterstützungssysteme, ersetzen jedoch nicht die klinische Beurteilung. Eine Kombination aus TDM, individueller Dosierung und moderner Software ebnet den Weg zu einer präziseren, personalisierten Antiinfektivatherapie.

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