Inhaltszusammenfassung:
Einleitung: Obwohl sich die Therapie des akut-ischämischen Schlaganfalls in
den letzten Jahrzehnten erheblich verbessert hat, stellt das Post-Stroke-Delir
(PSD) weiterhin eine erhebliche Herausforderung für die Rehabilitation der
Patienten dar, indem es sowohl die Mortalität als auch den Bedarf an langfristiger
Pflege erhöht. Zahlreiche Risikofaktoren für das Auftreten eines PSD wurden
retrospektiv identifiziert, jedoch ist die derzeit verfügbare Evidenz unzureichend,
um genaue Rückschlüsse auf die einzelnen möglichen Delir-präventiven
Maßnahmen zu machen. Ein solcher Risikofaktor ist die Verwendung eines
transurethralen Dauerkatheters, der bei etwa 30 % der Patienten nach akutem
Schlaganfall eingesetzt wird. Dennoch fehlen bislang evidenzbasierte Leitlinien
zur Katheterisierung nach Schlaganfall.
Wir stellten die Hypothese auf, dass die Anwendung eines Dauerkatheters zur
Entstehung des Delirs beiträgt und dass eine frühzeitige Entfernung des
Katheters folglich die Inzidenz reduzieren könnte. Zudem nahmen wir an, dass
der Zusammenhang unabhängig von Harnwegsinfektionen besteht. Zur
Überprüfung dieser Hypothese führten wir eine randomisierte kontrollierte Studie
durch, in der die Inzidenz und Dauer des Delirs bei Patienten nach akutem
ischämischem Schlaganfall mit und ohne Dauerkatheterisierung verglichen
wurden.
Methoden: Die Einschlusskriterien umfassten das männliche Geschlecht, ein
Alter von über 70 Jahren sowie ein Großgefäßverschluss im vorderen oder
hinteren zerebralen Stromgebiet und die Indikation zur mechanischen
Thrombektomie. Als Ausschlusskriterien galten das Vorliegen eines Delirs oder
eines transurethralen Dauerkatheters bei Aufnahme sowie eine fortlaufende
invasive Beatmung. Die Patienten wurden randomisiert in zwei Kohorten
unterteilt: In der einen wurde der Katheter unmittelbar nach Aufnahme auf der
Stroke Unit entfernt, während er in der anderen, je nach Indikation, für maximal
10 Tage belassen wurde. Die Patienten wurden dreimal täglich mithilfe der
Intensive Care Delirium Screening Checklist auf das Vorliegen eines Delirsuntersucht. Außerdem erfolgte eine Urinuntersuchung mittels Streifentest auf
Hinweise eines Harnwegsinfekts.
Die primären Endpunkte waren die Delirinzidenz und -dauer, während die
sekundären Endpunkte die Aufenthaltsdauer und das Vorliegen einer
Harnwegsinfektion waren. Des Weiteren evaluierten den Einfluss des Delirs auf
die Aufenthaltsdauer und das funktionale Outcome der Patienten.
Ergebnisse: Innerhalb von zwei Jahren schlossen wir 50 Patienten in die Studie
ein, von denen 32 ein Delir entwickelten. Von diesen waren 21 in der
Kontrollgruppe mit einer medianen Delirdauer von 2 Tagen im Vergleich zu 11 in
der Interventionsgruppe mit 0 Tagen. Diese Unterschiede erwiesen sich als
hochsignifikant. Die Aufenthaltsdauern und die Wahrscheinlichkeit einen
Harnwegsinfekt zu erleiden, unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht
signifikant. Die Patienten, die ein Delir entwickelten, hatten einen längeren Stroke
Unit- und gesamtstationären Aufenthalt, sowie weniger funktionell günstige
Outcomes. Da die Patienten in der Kontrollgruppe schwerere Schlaganfälle
erlitten und häufiger an Pneumonien erkrankten, musste der Effekt der
Intervention durch weitere statistische Verfahren analysiert werden. Nach
Angleichen der Gruppen durch den Ausschluss von Ausreißern konnten die
Störfaktoren eliminiert und der Einfluss der frühzeitigen Entfernung des
Dauerkatheters auf das Entwickeln eines PSD klar erkannt werden.
Fazit: Transurethrale Urindauerkatheter sind nach schwerem Schlaganfall mit
einem erhöhten Risiko für die Entwicklung eines Post-Stroke-Delirs assoziiert.
Daher sollten die Indikationen für deren Einsatz regelmäßig überprüft und, sofern
möglich, eine frühzeitige Entfernung angestrebt werden.