Reduktion der Delirinzidenz und -dauer nach akutem Schlaganfall durch frühzeitiges Entfernen eines Dauerkatheters: eine prospektive randomisiert-kontrollierte Studie

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Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/179938
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1799386
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1799386
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-121262
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2026-05-28
Sprache: Deutsch
Fakultät: 4 Medizinische Fakultät
Fachbereich: Medizin
Gutachter: Mengel, Annerose (PD Dr.)
Tag der mündl. Prüfung: 2026-04-02
DDC-Klassifikation: 610 - Medizin, Gesundheit
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

Einleitung: Obwohl sich die Therapie des akut-ischämischen Schlaganfalls in den letzten Jahrzehnten erheblich verbessert hat, stellt das Post-Stroke-Delir (PSD) weiterhin eine erhebliche Herausforderung für die Rehabilitation der Patienten dar, indem es sowohl die Mortalität als auch den Bedarf an langfristiger Pflege erhöht. Zahlreiche Risikofaktoren für das Auftreten eines PSD wurden retrospektiv identifiziert, jedoch ist die derzeit verfügbare Evidenz unzureichend, um genaue Rückschlüsse auf die einzelnen möglichen Delir-präventiven Maßnahmen zu machen. Ein solcher Risikofaktor ist die Verwendung eines transurethralen Dauerkatheters, der bei etwa 30 % der Patienten nach akutem Schlaganfall eingesetzt wird. Dennoch fehlen bislang evidenzbasierte Leitlinien zur Katheterisierung nach Schlaganfall. Wir stellten die Hypothese auf, dass die Anwendung eines Dauerkatheters zur Entstehung des Delirs beiträgt und dass eine frühzeitige Entfernung des Katheters folglich die Inzidenz reduzieren könnte. Zudem nahmen wir an, dass der Zusammenhang unabhängig von Harnwegsinfektionen besteht. Zur Überprüfung dieser Hypothese führten wir eine randomisierte kontrollierte Studie durch, in der die Inzidenz und Dauer des Delirs bei Patienten nach akutem ischämischem Schlaganfall mit und ohne Dauerkatheterisierung verglichen wurden. Methoden: Die Einschlusskriterien umfassten das männliche Geschlecht, ein Alter von über 70 Jahren sowie ein Großgefäßverschluss im vorderen oder hinteren zerebralen Stromgebiet und die Indikation zur mechanischen Thrombektomie. Als Ausschlusskriterien galten das Vorliegen eines Delirs oder eines transurethralen Dauerkatheters bei Aufnahme sowie eine fortlaufende invasive Beatmung. Die Patienten wurden randomisiert in zwei Kohorten unterteilt: In der einen wurde der Katheter unmittelbar nach Aufnahme auf der Stroke Unit entfernt, während er in der anderen, je nach Indikation, für maximal 10 Tage belassen wurde. Die Patienten wurden dreimal täglich mithilfe der Intensive Care Delirium Screening Checklist auf das Vorliegen eines Delirsuntersucht. Außerdem erfolgte eine Urinuntersuchung mittels Streifentest auf Hinweise eines Harnwegsinfekts. Die primären Endpunkte waren die Delirinzidenz und -dauer, während die sekundären Endpunkte die Aufenthaltsdauer und das Vorliegen einer Harnwegsinfektion waren. Des Weiteren evaluierten den Einfluss des Delirs auf die Aufenthaltsdauer und das funktionale Outcome der Patienten. Ergebnisse: Innerhalb von zwei Jahren schlossen wir 50 Patienten in die Studie ein, von denen 32 ein Delir entwickelten. Von diesen waren 21 in der Kontrollgruppe mit einer medianen Delirdauer von 2 Tagen im Vergleich zu 11 in der Interventionsgruppe mit 0 Tagen. Diese Unterschiede erwiesen sich als hochsignifikant. Die Aufenthaltsdauern und die Wahrscheinlichkeit einen Harnwegsinfekt zu erleiden, unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht signifikant. Die Patienten, die ein Delir entwickelten, hatten einen längeren Stroke Unit- und gesamtstationären Aufenthalt, sowie weniger funktionell günstige Outcomes. Da die Patienten in der Kontrollgruppe schwerere Schlaganfälle erlitten und häufiger an Pneumonien erkrankten, musste der Effekt der Intervention durch weitere statistische Verfahren analysiert werden. Nach Angleichen der Gruppen durch den Ausschluss von Ausreißern konnten die Störfaktoren eliminiert und der Einfluss der frühzeitigen Entfernung des Dauerkatheters auf das Entwickeln eines PSD klar erkannt werden. Fazit: Transurethrale Urindauerkatheter sind nach schwerem Schlaganfall mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung eines Post-Stroke-Delirs assoziiert. Daher sollten die Indikationen für deren Einsatz regelmäßig überprüft und, sofern möglich, eine frühzeitige Entfernung angestrebt werden.

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