Inhaltszusammenfassung:
Die vorliegende MEG- Studie untersucht die audio-visuelle Interaktion bei
unterschiedlichen visuellen Stimuli. Im Rahmen eines frequncy-tagging Ansatzes
präsentierten wir den 25 Studienteilnehmer (12 Frauen, 13 Männer)
verschiedene visuelle Stimuli (Wörter, Piktogramme, Schachbrettmuster) mit
einer Frequenz von 12 Hz. Die Annahme bestand darin, dass sich die
vorgegebene Frequenz von 12 Hz nicht nur in der visuell- evozierten Antwort
widerspiegelt, sondern auch im auditorischen Kortex, wenn eine Interaktion
(Verknüpfung) zwischen dem visuellen und dem auditorischen Kortex besteht.
Um den auditorischen Kortex lokalisieren zu können, präsentierten wir den
Probanden ebenfalls einen einfachen auditorischen Stimulus. Wie zu erwarten
war, konnten wir zeigen, dass die Taggingfrequenz von 12 Hz sich im
Frequenzspektrum der evozierten Antworten widerspiegelt.
Auf Sensorebene stellten wir mehrere Vergleiche zwischen der auditorisch
evozierten Aktivität und der visuell evozierten Aktivität an, um beurteilen zu
können, ob sich die Aktivität im auditorischen Areal zwischen den drei visuellen
Bedingungen unterscheidet. Für die Vergleiche mittelten wir die auditorisch
evozierte Aktivität im N100-Latenzfenster (von 50 ms bis 150 ms nach
Stimulationsbeginn). Dem Frequencytaggingansatz folgend fourier-
transformierten wir die visuellen Daten bei 12 Hz oder filterten sie im
Frequenzbereich von 12 Hz. Bei den herangezogenen Vergleichen zwischen
dem auditorischen Stimulus und den visuellen Stimuli mittels MVPA und der
Korrelation ergab sich die größte Übereinstimmung mit der auditorischen Aktivität
bei der Stimulation mit Wörtern, gefolgt von den Piktogrammen. Die geringste
Übereinstimmung ergab sich bei der Stimulation mit Schachbrettmuster. Die
Unterschiede in der Übereinstimmung zwischen den Bedingungen „Wort“ und
„Piktogramm“ waren dabei gering, wohingegen der Unterschied der beiden zur
Bedingung „Schachbrett“ deutlich war.
Auch auf Quellenebene konnten wir zeigen, dass die Aktivität im auditorischen
Kortex bei der visuellen Stimulation mit Wörtern am größten war, gefolgt von den
Piktogrammen. Die Stimulation mit Schachbrettmuster wies die geringste
Aktivität im auditorischen Kortex auf. Somit zeigte sich bei den Bedingungen mit
sprachlichem Bezug (Wörter, Piktogramme) eine größere audio-visuelle
Interaktion, als bei der Bedingung ohne sprachlichen Bezug (Schachbrettmuster). Die Ergebnisse stehen im Einklang mit früheren Untersuchungen, die eine cross-modale Aktivierung des auditorischen Kortex beim Betrachten visueller Sprache und beim Lesen zeigen konnten. Außerdem konnten wir zeigen, dass sich, bei der durch Wörter und Piktogramme hervorgerufenen audio-visuellen Interaktion, eine deutliche Dominanz des linken auditorischen Kortex zeigt. Dies steht im Einklang mit früheren Studien, die eine
Dominanz der linken Hemisphäre bei der Verarbeitung von Sprache belegten.