Inhaltszusammenfassung:
Chronisches Darmversagen ist eine seltene und komplikationsreiche Erkrankung, bei welcher häufig eine dauerhafte parenterale Substitution von Makro- und Mikronährstoffen sowie Flüssigkeit benötigt wird. Um die optimale Versorgung sicherzustellen und Komplikationen zu erkennen bzw. vorzubeugen, ist ein regelmäßiges Monitoring auch von Urinbefunden unerlässlich. Der als Goldstandard anzusehende 24h-Sammelurin stellt die exakteste Methode dar, ist aber in der Praxis zeitaufwendig, belastend und bei mangelnder Mitarbeit von kleinen Patienten fehleranfällig.
Ziel dieser Studie war zu prüfen, ob zum einen Spontanurinproben und zum anderen Sammelurine von kürzerer Sammeldauer zum diagnostischen Monitoring bei Kindern mit chronischem Darmversagen eine geeignete Alternative zur 24h-Urinmessung darstellen.
Zusammenfassend lässt sich anhand unserer Daten feststellen, dass bei Kindern mit chronischem Darmversagen und heimparenteraler Ernährung eine relevante Prävalenz von Komorbiditäten besteht: einerseits die Nieren betreffend und andererseits in Bezug auf die pathologische Urinbefunde.
Zur Abschätzung der Befunde eines 24-Stunden-Sammelurins sind häufig die Befunde aus kürzeren Sammelzeiträume (über 6 Stunden oder über PN-Dauer) klinisch ausreichend geeignet, zum Beispiel für Calcium, Phosphat und Magnesium. Jedoch nicht für Schlussfolgerung der Gesamturin-Tagesmenge. Insbesondere die Sammeldauer, welcher der PN-Applikationsdauer entspricht, war meistens ausreichend, um alle Urin-Parameter klinisch zuverlässig zu bestimmen.
Spontanurinproben können den 24h-Sammelurin für das Monitoring bei Kindern mit CDV und parenteraler Ernährung nicht vollständig ersetzen. Die Spontanurinproben haben ihren Stellenwert bei der klinischen Diagnostik insbesondere im Ausschluss von Mangelzuständen (z.B. Natrium, Kalium, Calcium) bzw. im Erkennen einer ausreichenden Hydrierung des Patienten (Natrium/Kalium-Ratio). Gerade auch bei Kindern, bei denen keine 24h-Urin-Sammlung möglich bzw. zumutbar ist, ist die Kenntnis über die Unzuverlässigkeit von Befunden aus Spontanurinproben von Bedeutung: zur Detektion von Komplikationen, aber auch zur Vermeidung von Anpassungen an der individuellen PN-Rezeptur aufgrund fehlerhafter Annahmen. Jedoch ist, wie gezeigt, der Zeitpunkt der Probenentnahme von Bedeutung. Anhand unserer Daten erscheint der Messzeitpunkt am Ende der PN-Infusion als der repräsentativste Zeitpunkt zum Spoturinmessen. Auch auf die klinisch wichtige Detektion der relativen Dehydratation am Ende von Infusionspausen, wie sie unsere Studienergebnisse nahegelegt haben, sei hingewiesen.
Kürzere Urin-Sammelzeiträume könnten die Dauer des stationären Aufenthaltes reduzieren. Im Fall der PN-Dauer von 12 bis 16 Stunden würde es ein Ersparnis von 8 bis 12 h Liegedauer bedeuten (in manchen Fällen insgesamt weniger stationäre Übernachtungen), was für die Lebensqualität der chronisch kranken Patienten, aber auch für die Ressourcenverwendung sicherlich von Vorteil wäre.
Aufgrund der Limitation der niedrigen Fallzahl bei insgesamt seltener Erkrankung sind die Beobachtungen aus diesem Pilotprojekt insbesondere auch geeignet, um weitere prospektive und multizentrische Studien zu stimulieren.
Die vorliegenden Ergebnisse könnten darüber hinaus Grundlage für bestimmte praktische Empfehlungen zum Monitoring von PN-Management bei Kindern mit chronischem Darmversagen sein, wie zum Beispiel die Verkürzung der Urin-Sammeldauer oder die Elektrolytmessung wie Natrium, Kalium, Calcium und Magnesium aus Spontanurinproben am Ende der PN-Infusion unter Beachtung der Limitationen.