Inhaltszusammenfassung:
Das Prostatakarzinom ist die am häufigsten diagnostizierte maligne Erkrankung
beim männlichen Geschlecht. In dieser Arbeit wurden bei Patienten mit
Prostatakarzinom, die eine dosiseskalierte Bestrahlung mit 78 Gy erhielten,
retrospektiv die Dosis in der dominanten intraprostatischen Läsion (DIL) in der
prätherapeutischen Magnetresonanztomografie (MRT) und andere potenzielle
Einflussgrößen analysiert.
Material und Methoden:
Alle Patienten dieser retrospektiven Studie wurden zwischen 2010 und 2017 mit
kurativer Intention in der Universitätsklinik für Radioonkologie in Tübingen
bestrahlt und erhielten abhängig vom Risikoprofil zusätzlich eine antihormonelle
Therapie (AHT). Die Risikoeinteilung erfolgte gemäß den Risikogruppen nach
d’Amico und der NCCN-Klassifikation. Die Bestrahlungsplanung wurde mit der
Software Hyperion® durchgeführt. Bei allen Patienten erfolgte die
Bestrahlungsplanung mit dem „Coverage Probability“ (CovP)-Konzept. Die DIL
und weitere Patientencharakteristika wurden auf mögliche Korrelationen
untersucht. Der primäre Endpunkt war das rezidivfreie Überleben nach den
Phoenix-Kriterien. Des Weiteren wurden im Rahmen der Nachsorge die
Nebenwirkungen gemäß der CTC-Klassifikation für Proktitis, Blutung von Blase
oder Darm sowie die Miktionsfrequenz erfasst. Die statistische Auswertung
erfolgte mit IBM® SPSS® Statistics und Microsoft Excel®.
Ergebnisse:
Insgesamt 97 Patienten erfüllten die Einschlusskriterien dieser Studie. 87,6% der
Patienten erhielten parallel zur Radiotherapie eine antihormonelle Therapie
(AHT) entsprechend des Risikoprofils nach d’Amico. Der Median der AHT- Dauer
lag bei 6 Monaten (3-48 Monate). Der Mittelwert der DIL in der Prostata betrug
1,66 cm³ (0,108 - 14,997 cm³). Es ergab sich kein signifikanter Zusammenhang
zwischen AHT und klinischen Endpunkten in Abhängigkeit zur DIL-Größe. Bzgl.
der Dosisverteilung in der DIL ergab sich ein zweiseitig signifikanter
Zusammenhang zwischen der maximalen Bestrahlungsdosis „Dmax“ und der
Größe des GTVs auf dem Signifikanzniveau 0,01. Somit erhielt eine größere DIL
im Durchschnitt auch eine höhere maximale Bestrahlungsdosis. Eine signifikante
Korrelation zu den klinischen Endpunkten ergab sich dabei nicht. Bzgl. der
Nachsorge wurde insgesamt lediglich bei einem der Patienten ein Lokalrezidiv
festgestellt. Dieser Patient sowie die Patienten mit biochemischem Rezidiv (BCR)
hatten eine im Vergleich zum übrigen Kollektiv eine ähnlich lange
Lebenserwartung. Ein Zusammenhang zwischen CTC-Toxizitäten und
Patientencharakteristika konnte nicht festgestellt werden.
Diskussion:
Zusammenfassend wurde in dieser retrospektiven Studie eine mögliche
Korrelationen von Tumorvolumen und Dosisverteilung auf den Verlauf der
Erkrankung bei Prostatakarzinompatienten nach perkutaner Strahlentherapie
untersucht. Die erhobenen Parameter der DIL zeigen bis auf die Korrelation der
maximalen Bestrahlungsdosis „Dmax“ und der Größe des GTVs keine
Korrelationen mit weiteren Patientencharakteristika. Die Ergebnisse der Tübinger
Kohorte konnten die Ergebnisse einer nahezu gleichartig ausgewerteten
Freiburger Patientengruppe, bei der die Dosis in der DIL Einfluss auf die
Rezidivhäufigkeit hatte – nicht bestätigen. Ob dies am anderen
Bestrahlungskonzept (CovP-Konzept) in Tübingen oder dem im Vergleich etwas
niedrigerem Risikoprofil bei insgesamt höherem AHT-Einsatz - der den
Dosiseffekt in der DIL ggf. kompensiert - oder weiteren Faktoren (z.B. zu
geringem Dosisunterschied zwischen den verschiedenen DILs in der Tübinger
Kohorte) lag, kann abschließend nicht geklärt werden. Die erfreulicherweise
hohe Heilungsrate in der Tübinger Kohorte (3% Rezidive vs. 16% Rezidive in der
Freiburger Kohorte nach Phönixkriterien) erklärt bei weniger Ereignissen die
damit verbundene geringere Trennschärfe potentieller Faktoren für ein Rezidiv –
wie der DIL.
Fazit:
Die These, dass die maximale Dosisverteilung im Tumorvolumen ein neuer
Vorhersageparameter auf das rezidivfreie Überleben bei Prostatakrebspatienten
ist, kann in der Tübinger Patientengruppe mit hauptsächlich intermediärem
Risikoprofil nach NCCN bzw. Hochrisikoprofil nach d`Amico nicht bestätigt
werden.