Inhaltszusammenfassung:
Während der Schwangerschaft muss eine immunologische Toleranz des mütterlichen Immunsystems gegenüber dem semi-allogenen Fetus entstehen. Hierbei spielt insbesondere eine Anpassung der T-Zell-Immunität eine wichtige Rolle. Eine Beeinträchtigung dieser Anpassungen kann zu schweren Komplikationen führen. Das intestinale Mikrobiom trägt wesentlich zur Gesunderhaltung, aber auch zur Entstehung von Krankheiten bei. Außerdem setzt es extrazelluläre Vesikel (EVs) frei, welche immunmodulierende Wirkung besitzen. Vorangegangene Arbeiten haben gezeigt, dass es im Laufe der Schwangerschaft zu Veränderungen der intestinalen Mikrobiomkomposition kommt und dass diese bei Schwangerschaftskomplikationen verändert sein können. Bisher war nicht untersucht, ob bakterielle EVs (BEVs) des intestinalen Mikrobioms einen Einfluss auf die T-Zell-Regulation während der Schwangerschaft haben.
Mit dem im ersten Teil der Arbeit etablierten in vitro-Modell wurden erstmals aus dem Stuhl isolierte BEVs gesunder nicht schwangerer Frauen und Schwangerer vergleichend charakterisiert und der Einfluss auf die T-Helferzell-Komposition untersucht. Dabei zeigten sich zwar nur Tendenzen bezüglich einer Modulation von T-Helferzellen, aber unterschiedliche Phylum-Häufigkeiten in den qPCR-Analysen weisen auf Veränderungen der BEVs des intestinalen Mikrobioms zwischen Kontroll-Probandinnen, gesunden Schwangeren, Frauen mit RSA und Schwangeren mit PE hin. Diese Ergebnisse bieten einen Ausgangspunkt für nachfolgende Studien zu tiefergehenden Analysen der Immunmodulation durch BEVs während der Schwangerschaft.
Im zweiten Teil der Arbeit konnte in einem in vivo-Modell gezeigt werden, dass eine langandauernde Antibiotika-Behandlung bei Mäusen zu deutlichen Veränderungen in der immunologischen Anpassung an die Schwangerschaft insbesondere auf Seiten der angeborenen Immunität führt. Überraschenderweise deuteten die Veränderungen eher auf einen schwangerschafts-protektiven Immunphänotyp hin. Ein Einfluss auf den Trächtigkeitsverlauf konnte in unserem Modell nicht gezeigt werden.
Zusammenfassend konnte mit dieser Arbeit gezeigt werden, dass ein Zusammenhang zwischen BEVs als Botenstoffen des intestinalen Mikrobioms und der gesunden Schwangerschaft sowie Schwangerschaftskomplikationen bestehen könnte, hier allerdings weitergehende Untersuchungen notwendig sind. Zum anderen zeigte das Mausmodell dieser Arbeit den Einfluss einer Antibiotika- Behandlung auf die Immunadaptation während der murinen Trächtigkeit. Die Ergebnisse bieten Grundlage für weiterführende Untersuchungen mit dem Ziel der Entwicklung Mikrobiom-basierter Präventions- bzw. Therapieansätze für immunologisch vermittelte Schwangerschaftskomplikationen.