Inhaltszusammenfassung:
Die menschliche Ernährung hat sich im Verlauf der Geschichte erheblich verändert und wird heutzutage vor allem durch hochverarbeitete und wenig kauintensive Lebensmittel dominiert. Der Kieferknochen ist zu einem gewissen Grade in der Lage, sich in Form und Struktur an unterschiedliche Belastungen anzupassen.
In der vorliegenden Studie wurde untersucht, ob zwischen modernen und frühmittelalterlichen Menschen bei unterschiedlicher Ernährung und entsprechend verschiedener Kaubelastung Unterschiede in der Ausbildung des Kieferknochens erkennbar sind.
Mit Hilfe von digitaler Volumentomographie wurden Unterkieferquerschnitte von 33 Schädeln alamannischer Männer und Frauen und 63 moderner Männer und Frauen erstellt. Auf der Höhe der Furkation des ersten unteren Molaren wurde die maximale Höhe und Breite des Unterkieferknochens sowie die Dicke der basalen Kortikalis ausgemessen und die Daten zwischen den Gruppen verglichen.
Bei modernen Menschen fanden sich eine signifikant größere Höhe und Breite des Unterkieferknochens bei Männern als bei Frauen, bei den Alamannen zeigte sich nur eine signifikant größere Höhe des Unterkieferknochens bei den Männern im Vergleich zu den Frauen. Signifikante Unterschiede der basalen Kortikalisdicke fanden sich bei keinem Gruppenvergleich. Die Werte von Höhe und Breite des Unterkieferknochens waren bei den alamannischen Männern und Frauen geringfügig kleiner als bei modernen Männern und Frauen. Beim Vergleich der Kieferhöhen in Relation zu den Mittelwerten der Körpergrößen der einzelnen Gruppen zeigte sich allerdings, dass die Alamannen im Vergleich zur angenommenen Körpergröße proportional größere Kieferhöhen als moderne Menschen hatten. Sowohl bei den Alamannen als auch bei den modernen Menschen hatten Männer proportional größere Kieferhöhen als Frauen, der Unterschied war in beiden Fällen fast identisch.
Die Ergebnisse der Studie weisen darauf hin, dass die Kiefer der untersuchten Alamannen proportional stärker entwickelt waren als bei den modernen Menschen, was auf eine Anpassung aufgrund einer stärkeren Belastung durch kauintensivere Nahrung hindeutet. Es fanden sich sowohl bei den Alamannen als auch den modernen Menschen bei Männern größere Kieferhöhen als bei Frauen, sowohl in absoluten Dimensionen als auch proportional in Relation zu der Körpergröße.