Neurofilament Light Chain als blutbasierter Biomarker zur Stratifizierung bei der Alzheimer-Krankheit

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Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/173883
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1738831
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1738831
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-115208
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2026-01-12
Sprache: Deutsch
Fakultät: 4 Medizinische Fakultät
4 Medizinische Fakultät
Fachbereich: Medizin
Gutachter: Synofzik, Matthis (Prof. Dr.)
Tag der mündl. Prüfung: 2025-12-15
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

Die Alzheimer-Krankheit stellt in einer älter werdenden Bevölkerung eine zunehmende wirtschaftliche, gesellschaftliche und medizinische Herausforderung dar. Sie ist durch eine fortschreitende Neurodegeneration gekennzeichnet, der die histopathologischen Korrelate von Amyloid- und Taupathologie zugrunde liegen. Derzeit erfolgt die Diagnosestellung meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium, wenn bereits eine alltagsrelevante Neurodegeneration stattgefunden hat. Angesichts neuer, den Krankheitsverlauf modifizierender Therapieoptionen wird es zunehmend relevant, die Krankheit in einem frühen, klinisch inapparenten Stadium zu erkennen. Für Forschungszwecke hat das NIA-AA ein 6-stufiges Modell eines Alzheimerkontinuums entwickelt, das annimmt, dass der Erkrankung ein kontinuierlicher Prozess der fortschreitenden Neurodegeneration zugrunde liegt, der bereits etliche Jahre beginnt, bevor er in neuropsychologischen Testungen objektivierbar wird. Neben den in der klinischen Praxis etablierten Erkrankungsstadien MCI (objektivierbare leichte kognitive Beeinträchtigung) und Demenz, sieht das Modell ein zusätzliches präklinisches Stadium vor, das eine Patientengruppe umfasst, die subjektive kognitive Beeinträchtigungen erlebt, die nicht objektivierbar sind (SCD). Dieses Stadium befindet sich auf dem Kontinuum zwischen Gesunden (CU) und dem MCI-Stadium und bietet ein potentielles therapeutisches Fenster für die Behandlung mit Medikamenten, die den Krankheitsverlauf beeinflussen können, bevor alltagsrelevante Defizite entstehen. In der frühzeitigen Diagnostik der Demenz vom Alzheimertyp erscheinen in den letzten Jahren insbesondere blutbasierte Biomarker vielversprechend, ob der einfachen, kostengünstigen und wenig invasiven Gewinnung im Vergleich zur invasiven Lumbalpunktion bzw. kostenintensiven bildgebenden Diagnostik, die bis dato Standard sind. Dank technischer Innovationen ist es seit einigen Jahren möglich, geringste Konzentrationen von Biomarkern zu messen, zum Beispiel mit Hilfe der Simoa®- Technologie, die über den Nachweis einzelner Moleküle durch digitale Zählung von Fluoreszenzsignalen in kleinsten Reaktionsgefäßen funktioniert. Bei Neurofilament Light Chain (NfL) handelt es sich um einen Bestandteil des neuronalen Zytoskeletts, der bei axonaler Schädigung in den Liquor und in geringerer Konzentration auch ins Blut freigesetzt wird und es so vermag, axonale Degeneration 77 quantitativ abzubilden. Im Liquor bereits bei diversen neurologischen Erkrankungen etabliert, erweist er sich nun auch als vielversprechender Biomarker zur Stratifizierung präklinischer Alzheimerstadien. Der Fokus dieser Studie lag insbesondere auf der weiteren Erforschung des SCD-Stadiums auf Biomarkerebene sowie dessen Abgrenzung zu den Stadien CU und MCI, da es hierzu noch an ausreichender Evidenz fehlt. Es wurden Plasma- und Liquorproben von Patienten der DELCODE-Kohorte auf Basis von Anamnese, neuropsychologischer Testung und Liquordiagnostik im ersten Schritt in Primärdiagnosegruppen (CU, SCD, MCI und AD) und im zweiten Schritt zusätzlich nach Vorhandensein einer Amyloidpathologie eingeteilt und schließlich auf Gruppenunterschiede untersucht. Die untersuchten Aspekte umfassten demographische und testpsychologische Ergebnisse, etablierte liquorbasierte Biomarker und vor allem das mit Hilfe eines Simoa® HD-1 Analyzers gemessene Plasma-NfL. Des Weiteren wurde Plasma-NfL innerhalb der Diagnosegruppen im longitudinalen Verlauf untersucht. Zusammenfassend konnte gezeigt werden, dass sich SCD-Patienten in vielen der untersuchten Aspekte, insbesondere aber bei Betrachtung des Plasma-NfL von den Gruppen CU und MCI signifikant unterschieden, wobei diese Diskriminierung durch die etablierten CSF-Biomarker nicht gelang. Bei Betrachtung lediglich der Amyloidpositiven Patienten zeigte sich zwar ein signifikanter Unterscheid zwischen den Gruppen SCD und MCI, allerdings lediglich ein numerischer Unterschied zwischen den Gruppen CU und SCD. In der longitudinalen Betrachtung der NfL-Verläufe zeigte sich deskriptiv ein rascherer Anstieg der Plasma-NfL-Konzentration, je ungünstiger die Primärdiagnose war. Insgesamt kann auf Grundlage dieser Ergebnisse die Theorie eines eigenständigen, präklinischen SCD-Stadiums im Entwicklungsprozess einer Alzheimer-Krankheit, wie im Modell der NIA-AA vorgeschlagen, unterstützt werden. NfL scheint ein geeigneter blutblasierter Biomarker zur Stratifizierung verschiedener Stadien einer sich entwickelnden Alzheimererkrankung zu sein, allerdings wäre es zur Optimierung der diagnostischen Genauigkeit wünschenswert, ergänzend zu Plasma-NfL weitere, Alzheimer-spezifische Biomarker heranzuziehen. Darüber hinaus bedarf es weiterer Erforschung des SCD-Stadiums, insbesondere auch im longitudinalen Verlauf, um Risikokonstellationen für die Entwicklung einer Alzheimer-Krankheit zu identifizieren und in diesen Fällen frühtherapeutisch intervenieren zu können.

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