Inhaltszusammenfassung:
Das braune Fettgewebe wurde durch intensive, internationale Studien innerhalb der letzten Jahrzehnte als stark energieverbrennendes Gewebe identifiziert und dient daher als möglicher Ansatzpunkt in der Therapie von Adipositas und Herz-Kreislauferkrankungen. Die vorliegende Arbeit analysierte retrospektiv 560 18F-FDG-PET/CT-Untersuchungen von 238 Lymphom-/Leukämiepatienten, die im Zeitraum 2011 bis 2019 im Department für Radiologie des Universitätsklinikums Tübingen untersucht wurden, auf das Vorhandensein und das Neuauftreten von 18F-FDG-Anreicherung supraclavikulär und nuchal als Zeichen von aktiviertem braunem Fettgewebe, dies insbesondere bei vorangegangener Cytarabin-Gabe. Es erfolgte eine Evaluation der Aktivierung von braunem Fettgewebe mit multiplen patienten-, untersuchungs- und therapiebezogenen möglichen Einflussfaktoren.
Die Prävalenz von aktiviertem braunem Fettgewebe betrug 11% aller Untersuchungen bzw. 18% aller Patienten. Bei initial für aktiviertes braunes Fett negativer Erstuntersuchung fand sich eine Neuinzidenz bei 7,2 % von aktiviertem braunem Fett in der Folgeuntersuchung. Eine Aktivierung war signifikant mit geringem Alter, niedrigem BMI und dem weiblichen Geschlecht korreliert. Zudem zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Neuaktivierung von braunem Fett und der Durchführung der Untersuchung im Winter. Das Alter war einflussreichster unabhängiger Aktivator. Ein Zusammenhang zwischen der Aktivität des braunen Fettgewebes und spezifischen Therapien im Rahmen der Leukämie-/Lymphomerkrankung fand sich nicht, insbesondere auch nicht zwischen einer Cytarabin-Gabe. Die höchsten Anreicherungswerte zeigten sich in den supraklavikulären Depots.
Die Ergebnisse werden durch Resultate vorangegangener Studien gestützt und unterstreichen eine mögliche Bedeutung des braunen Fettgewebes für die Therapie gesellschaftsrelevanter Erkrankungen, wie Adipositas.