Intravaginale Laserbehandlung der leicht- und mittelgradigen Belastungsinkontinenz bei Frauen

DSpace Repositorium (Manakin basiert)


Dateien:

Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/141974
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1419744
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-83321
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2023-06-07
Sprache: Deutsch
Fakultät: 4 Medizinische Fakultät
Fachbereich: Medizin
Gutachter: Reisenauer, Christl (Prof. Dr.)
Tag der mündl. Prüfung: 2023-05-02
DDC-Klassifikation: 610 - Medizin, Gesundheit
Schlagworte: Laser , Inkontinenz , Vagina , Frau , Stressinkontinenz , Erbium , YAG
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=en
Gedruckte Kopie bestellen: Print-on-Demand
Zur Langanzeige

Inhaltszusammenfassung:

Die Belastungsharninkontinenz ist die häufigste Inkontinenzform bei Frauen. Sie ist gekennzeichnet durch den unwillkürlichen Urinverlust bei Erhöhung des intraabdominellen Drucks wie z.B. beim Husten oder Niesen sowie körperlicher Arbeit. Zur Therapie der Belastungsinkontinenz stehen sowohl konservative als auch operative Methoden zur Verfügung. Die konservative Therapie steht am Anfang jeder Behandlung. Zu den konservativen Methoden zählen unter anderem Beckenbodentraining evtl. unter Hinzunahme von Elektrostimulation, Pessartherapien, medikamentöse Behandlung mit Duloxetin, lokale Östrogentherapie und Gewichtsreduktion bei Übergewicht.   Die operative Therapie sollte erst nach Ausschöpfen der konservativen Therapieoptionen erfolgen. Aufgrund der hohen Effektivität, geringen Invasivität und der raschen postoperativen Erholung stellen die suburethralen spannungsfreie Bänder (z.B. TVT oder TOT) den heutigen Goldstandard dar. Trotz hoher Heilungsraten und niedriger Komplikationsraten sind spezielle OP-Risiken wie Banderosionen in die Scheide, Urethra oder Blase und deren Folgen wie z.B. Fistelbildungen, Infektionen etc. nicht zu vernachlässigen. In den letzten Jahren wurde eine neue Therapieoption der leicht- und mittelgradigen Belastungsinkontinenz bei Frauen beschrieben und propagiert: die vaginale Laserbehandlung mit einem Er:YAG-Laser (Erbium dotiertes Yttrium-Aluminium-Granat Kristall als Lasermedium). Ursprünglich wurde diese Methode zur Behandlung der vaginalen Atrophie im Rahmen der Postmenopause eingesetzt. Hierbei fiel eine Verbesserung der Symptome bei zusätzlich bestehender Belastungsinkontinenz auf. Aus vorhergehenden Studien ist bekannt, dass die pubozervikale Faszie bei belastungsinkontinenten Frauen einen verminderten Kollagengehalt aufweist. Die Er:YAG-Laserbehandlung induziert eine Kollagenrekonstruktion und stärkt somit kontinenzrelevante Beckenbodenstrukturen wie zum Beispiel die Harnröhre und die vordere Vaginalwand. Insbesondere führt die Er:YAG Laser Laserbehandlung infolge einer kontrollierten Erwärmung der Vaginalmukosa zu einem Kollagenumbau und zu einer Neokollagenese. Auch konnte in Biopsien, die in einer vorhergehenden Studie aus der Vaginalvorderwand entnommen wurden, eine signifikante Verdickung des Vaginalepithels, eine signifikante Verbesserung der Kapillardichte, zahlreiche Fibroblasten im Vaginalstoma und eine ausgeprägte Zunahme an elastischen Fasern in der Vaginalmukosa nachgewiesen werden. Das Ziel dieser Studie war es, diese neue Methode auf ihre Wirksamkeit und Akzeptanz im Patientenkollektiv zu untersuchen, da die Betroffenen zunehmend an nicht-chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten interessiert sind. Im Zeitraum von Februar 2017 bis April 2018 schlossen 32 Patientinnen im Alter von 35 bis 75 Jahren mit leichter und mittelgradiger Belastungsinkontinenz unsere Studie ab. Diese bestand aus vier Visiten im Zeitraum von sechs Monaten, an denen Datenerhebungen erfolgten. An den ersten beiden Visiten, im Abstand von einem Monat, wurden vaginale Er:YAG-Laserbehandlungen durchgeführt. Die Datenerhebung umfasste die Anamnese, eine klinische Untersuchung sowie das Ausfüllen von Fragebögen. Hierbei wurde unter anderem der ICIQ-UI SF Fragebogen eingesetzt. Als Ergebnis waren 5 Monate nach beiden Laserbehandlungen 12 von 33 Patientinnen (36%) kontinent, 11 (33%) gaben eine deutliche Verbesserung der Belastungsinkontinenz an, 2 (6%) berichteten über eine leichte Verbesserung, 3 (9%) über eine vorübergehende Verbesserung und 5 (15%) gaben keine Verbesserung an. Nach der ersten Er:YAG-Laserbehandlung berichteten 10 Patientinnen (30%) über vaginalen Ausfluss, Spotting und/ oder vaginales Brennen über einen Zeitraum von einem Tag und bis zu 4 Wochen. Nach der zweiten Laserbehandlung waren es noch 8 Patientinnen (24%), die die gleichen Beschwerden angaben. Bei keiner der Patientinnen waren die Beschwerden therapiebedürftig. Der ICIQ-UI SF Score sank signifikant von 12.3 an Visite 1 auf 6.8 an Visite 4. Die Lebensqualität stieg ebenfalls signifikant von 6.0 auf 7.6. Alle eingeschlossenen Patientinnen waren initial für die Anlage eines TVT geplant. Fünf Monate nach der zweiten vaginalen Er:YAG-Laserbehandlung erhielten 8 von 33 Patientinnen (24%) eine TVT Einlage. Die TVT Einlage erfolgte bei denjenigen Patientinnen die mit dem erreichten therapeutischen Erfolg der Laserbehandlung nicht zufrieden waren.   Die Einschränkungen der Studie sind ein kleines Patientenkollektiv, eine fehlende Randomisierung mit Kontrollgruppe, die eingeschränkte Beobachtungsdauer sowie das Fehlen von objektiven Parametern, wie z.B. einem Pad-Test. Die Ergebnisse zeigen, dass die intravaginalen Lasertherapie eine vielversprechende Alternative oder Ergänzung für Patientinnen sein kann, die an nicht chirurgischen Behandlungsoptionen interessiert sind, bei denen konservative Therapien nicht den gewünschten Erfolg bringen oder diese nur eingeschränkt eingesetzt werden können.

Das Dokument erscheint in: