Inhaltszusammenfassung:
Die Feststellung der Glaubwürdigkeit von Zeugen wird entsprechend der ethnomethodologisch-konversationsanalytischen Forschungshaltung als interaktiver Prozeß in der mündlichen Hauptverhandlung analysiert. Obzwar die professionellen Prozeßbeteiligten bestrebt sind, sich in der Beweiserhebung nicht frühzeitig auf eine Einschätzung der Beweislage festzulegen, lassen sich dennoch verschiedene interaktive Formate der Glaubwürdigkeitsfeststellung und eine sequenzielle Abfolge verschiedener Phasen aufzeigen. Auf eine Nachfragephase und eine allgemein-skeptische Bezweifelungsphase kann unter bestimmten Bedingungen in einigen Fällen eine Phase der interaktiven Konstruktion von Unglaubwürdigkeit folgen. Die Ergebnisse geben Hinweise auf das implizite Verständigungssystem zwischen den professionellen Verfahrens beteiligten sowie auf die soziale Organisiertheit von Glaubwürdigkeit im Strafverfahren.