Inhaltszusammenfassung:
Der Vergleich frühneuzeitlicher öffentlicher Hinrichtungen mit Theatervorstellungen ist aufgrund der frappierenden strukturellen Ähnlichkeit von klassischer Tragödie und vorrevolutionärer Strafvollstreckung als durchaus berechtigt zu bezeichnen. Darüber hinaus streben Strafvollzug wie Tragödie danach, eine kathartische Wirkung beim Publikum hervorzurufen. Die obrigkeitliche Zielsetzung ist bislang auch von der historischen Forschung weitgehend in den Vordergrund gestellt worden, wodurch die öffentliche Hinrichtung zumeist als erfolgreiches Instrument der Herrschaftssicherung interpretiert wurde. Doch gerade deren Vergleich mit der Tragödie macht es möglich, mit Hilfe von Erwägungen zur Katharsishypothese sowie mit dramen- und kommunikationstheoretischen Ansätzen das Publikum in das Zentrum der Untersuchung zu rücken und auf der Basis verschiedener historischer Beispiele die reinigende und herrschaftsstabilisierende Wirkung des„ Theatrum Poenarum" anzuzweifeln.