Inhaltszusammenfassung:
Der Begriff „soziale Kontrolle" - einst unbestrittener Schlüsselbegriff einer „Kritischen Kriminologie" und nur bei konservativen Ätiologen ausgesprochen unbeliebt - steht seit einiger Zeit im Kreuzfeuer der Kritik kritischer Autoren. ,,Soziale Kontrolle" ist jetzt auch bei ihnen „out", ,,Disziplin" und „sozialer Ausschluß" sind „in". Begründung: der funktionalistisch belastete Begriff verharmlose die Gewaltförmigkeit und Unmenschlichkeit sozialer Ausschlußprozesse, sei ungeeignet zur Analyse subtilerer Disziplinierungsprozesse und habe insgesamt seine analytische Kraft verloren. Die von den Kritikern erhobenen Vorwürfe leiden jedoch selbst an zahlreichen Schwächen, von denen es nicht die geringste ist, daß die Weiterentwicklung des Konzepts seit seiner Reformulierung durch Alexander Clark und Jack Gibbs (1964/65) souverän ignoriert wird. Man kann diese „Krise der Kritik" verschieden deuten: etwa als Flucht in die Historisierung oder als Bedürfnis nach einer verbesserten Sichtbarkeit „politisch korrekter" Kriminologie in Zeiten zunehmender Unübersichtlichkeit. Doch eines wird man nicht länger übersehen können -den selbstverschuldeten Niedergang der kritischen Kriminologie alten Stils.