Inhaltszusammenfassung:
Diese Dissertation leistet drei wesentliche Beiträge. Erstens erweitert sie die politische Ökonomie der Mindestlohnpolitik. Konkret untersucht sie, ob Mindestlöhne ein wirk-sames Mittel sind, um das Vertrauen der Wählerschaft zurückzugewinnen. Die Ergenisse sugge-rieren jedoch weder, dass Parteien für die Nichteinhaltung von Wahlversprechen bestraft werden, noch dass es unwirksam ist, mit neuen Versprechen Stimmen zu gewinnen. Zweitens untersucht die Dissertation die unbeabsichtigten Auswirkungen von Mindestlohngesetzen. Anhand der Ein-führung des deutschen Mindestlohns im Jahr 2015 als exogenem politischen Schock bewertet die Studie, ob Lohnerhöhungen für geringverdienende Migranten ihre Absicht beeinflusst haben, in ihre Heimatländer zurückzukehren. Während theoretische Modelle zu uneindeutigen Ergebnissen kommen, zeigen auch die empirischen Ergebnisse keinen statistisch signifikanten Zusammen-hang zwischen Lohnerhöhungen und geänderten Migrationsplänen. Drittens leistet die Dissertati-on einen methodischen Beitrag, indem sie Techniken der natürlichen Sprachverarbeitung (Natural Language Processing, NLP) auf qualitative Interviewdaten zur Bewertung von Mindestlöhnen an-wendet. Die Arneit untersucht, ob maschinelle Lernwerkzeuge den Kodierungsprozess in der qua-litativen Forschung unterstützen oder sogar teilweise automatisieren können. Die Ergebnisse deu-ten darauf hin, dass die aktuellen Modelle zwar noch nicht vollständig zuverlässig für eine unab-hängige Kodierung sind, aber die Reproduzierbarkeit verbessern und die menschliche Interpreta-tion ergänzen können.
Abstract:
This dissertation makes three key contributions. Firstly, it adds to the political economy dimension of minimum wage policies. Specifically, it examines whether minimum wages are an effective means of regaining the electorate’s confidence. However, it does not suggest that parties will be punished for failing to fulfil election pledges, nor that gaining votes with new pledges is ineffective. Second, the dissertation explores the unintended effects of minimum wage laws. Us-ing the introduction of the German minimum wage in 2015 as an exogenous policy shock, the study evaluates whether wage increases for low-wage migrant workers influenced their intentions to return to their home countries. Although theoretical predictions offer ambiguous expectations, the empirical results reveal no statistically significant link between wage increases and revised migration plans. Thirdly, the dissertation makes a methodological contribution by applying Natural Language Processing (NLP) techniques to qualitative interview data on the evaluation of minimum wages. The study assesses whether machine learning tools can support, or even partially auto-mate, the coding process in qualitative policy research. The findings suggest that, while current models are not yet fully reliable for independent coding, they can improve reproducibility and complement human interpretation.