Inhaltszusammenfassung:
Als sportpsychologische Leistungsfaktoren gelten neben persönlichkeitsbezogenen und psychomotorischen Merkmalen sowohl generische als auch sport-spezifische kognitive Faktoren. Technologische Fortschritte haben zur Entwicklung neuer, meist kommerzieller, kognitiver Diagnostiken geführt, welche zunehmend im Rahmen der Talentdiagnostik im Nachwuchsleistungsfußball eingesetzt werden. Unabhängige, wissenschaftliche Evaluationen dieser Diagnostiken stehen jedoch häufig aus. Zudem ist die Evidenz zum Zusammenhang und zur diagnostischen Relevanz verschiedener kognitiver Leistungsfaktoren im Sport inkonsistent. Die Dissertation greift diese Ausgangspunkte auf und adressiert drei Schwerpunkte. Erstens wird in einem Positionspapier die Zusammenarbeit zwischen forschender und nicht-forschender Berufspraxis im Themenfeld kognitiver Leistungsfaktoren und Testverfahren im Fußball diskutiert (Beitrag 1). Zweitens werden die psychometrischen Eigenschaften der neuartigen kognitiven Diagnostiken Determinationstest, NeurOlympics, 360°-Videoentscheidungstest (Beitrag 2, Beitrag 5) sowie zweier neu entwickelter Verfahren im SoccerBot360 bzw. SoccerBot100 (Beitrag 3, Beitrag 4) untersucht. Im Rahmen dieser empirischen Studien werden klassische Testgütekriterien wie Reliabilität, diagnostische und konvergente Validität sowie prognostische Validität geprüft. Drittens wird der Zusammenhang generischer und fußball-spezifischer kognitiver Leistungsfaktoren sowie deren diagnostische Relevanz im Nachwuchsleistungsfußball untersucht (Beitrag 2, Beitrag 4, Beitrag 5). Die Befunde zeigen zum Teil eingeschränkte Reliabilität, begrenzte diagnostische Validität in homogenen Stichproben sowie fehlende prognostische Validität. Zudem zeigt sich, dass sport-spezifische Verfahren im Vergleich zu generischen Verfahren eine tendenziell höhere diagnostische Relevanz aufweisen. Generische und sport-spezifische kognitive Leistungsfaktoren scheinen zusammenzuhängen, allerdings erklärt das chronologische Alter einen Großteil dieses Zusammenhanges. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit kritischer Prüfung vor der praktischen Nutzung solcher Verfahren und eröffnen vor dem Hintergrund der Zusammenarbeit von Forschung und Praxis wertvolle Perspektiven für zukünftige Forschungs-arbeiten im Sinne einer erkenntnisorientierten Anwendungsforschung.