Inhaltszusammenfassung:
Wenn Glaubwürdigkeit diskursiv hergestellt wird, dann muss man sich fragen, welche Faktoren, die für die Einschätzung von Zeugen entscheidend sind, zur problematischen Stellung der Frau als Zeugin und zum Problem ihrer Glaubwürdigkeit beigetragen haben und immer noch beitragen. Der Beitrag stellt drei Aspekte einer kulturwissenschaftlich-interdisziplinär angelegten Studie zum Thema der sexuellen Gewalt vor. Dabei geht es im Wesentlichen darum, literatunvissenschaftliche Theorien und Methoden auf die Lektüre juristischer und kriminologischer Texte anzuwenden, die sich mit dem Modus von Erzählungen und der diskursiven Herstellung von Glaubwürdigkeit beschäftigen. Im ersten Abschnitt geht es um die problematische Stellung der Frau als Zeugin im juristischen und anderen kulturellen Diskursen. Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem prekären Status der Rede traumatisierter Zeugen und stellt eine Beziehung zwischen den von der Aussagepsychologie entwickelten Glaubwürdigkeitskriterien und einer Poetik des Realismus her. Der dritte Abschnitt widmet sich der Bedeutung des Vorstellungsvermögens im Kontext richterlicher Urteilsfindung.