Die Verbesserung der Körperunzufriedenheit bei Frauen mit Übergewicht und Adipositas: Eine Kombination aus Interventionsstudie und experimenteller Untersuchung

DSpace Repository


Dateien:

URI: http://hdl.handle.net/10900/133892
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1338924
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-75245
Dokumentart: PhDThesis
Date: 2022-12-08
Language: German
Faculty: 7 Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Department: Psychologie
Advisor: Svaldi, Jennifer (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2022-07-19
DDC Classifikation: 150 - Psychology
Other Keywords: Übergewicht, Adipositas, Körperunzufriedenheit, Körperbildinterventionen, Mechanismen
overweight, obesity, body dissatisfaction, body image interventions, mechanisms of change
License: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=en
Show full item record

Inhaltszusammenfassung:

Aktuelle Studien bestätigen den Einfluss der Körperunzufriedenheit auf die Ätiologie und Aufrechterhaltung von Übergewicht und Adipositas. Daher wird die Integration von Körperbildinterventionen in bestehende Gewichtsreduktionsprogramme zur langfristigen Steigerung der Effektivität dieser Programme diskutiert. Trotz dieser Forderung liegen bislang nur einzelne Studien zur Wirksamkeit von kognitiv-behavioralen Körperbildinterventionen bei Übergewicht und Adipositas vor. Gerade die Spiegelexposition, ein in der Essstörungsforschung validiertes Verfahren, wurde bislang nur bei Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht untersucht. Zudem wurden die zugrundeliegenden Mechanismen von Körperbildinterventionen bislang vernachlässigt, wenngleich diese zur Steigerung der Effizienz und individualisierten Zuteilung dieser Interventionen beitragen könnten. Das Ziel der vorliegenden Dissertation ist daher, die Effektivität der Spiegelexposition im Vergleich zu einer kognitiv-orientierten Körperbildintervention bei erwachsenen Frauen mit Übergewicht und Adipositas zu untersuchen. Zudem sollen potenziell zugrundliegende Wirkmechanismen dieser Interventionen identifiziert werden. In Studie I und II wurden hierfür experimentelle Paradigmen zur Erfassung objektiver Korrelate der Körperunzufriedenheit bei Frauen mit Übergewicht und Adipositas im Vergleich zu Frauen mit Normalgewicht implementiert. In Studie III wurden diese dann im Rahmen einer Pilot-Studie mit drei Interventionsarmen (Spiegelexposition vs. kognitiv-orientierte Körperbildintervention vs. Wartekontrollgruppe) neben validierten Selbst- und Fremdberichtsmaßen eingesetzt, um die Effektivität sowie die zugrundeliegenden Mechanismen der beiden Interventionen zu evaluieren. Zusammenfassend konnte mithilfe der in Studie I und II genutzten experimentellen Paradigmen objektive Korrelate der Körperunzufriedenheit bei Frauen mit Übergewicht und Adipositas identifiziert werden. In Studie I zeigte sich demnach ein höherer Anstieg in der physiologisch-emotionalen Erregung (gemessen anhand der Stimmgrundfrequenz) zwischen einer Kontrollbedingung und einer experimentellen Körperkonfrontation bei Frauen mit Übergewicht und Adipositas im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen. Zudem äußerten Frauen mit Übergewicht und Adipositas im Vergleich zur Kontrollgruppe mehr negative und weniger positive körperbezogene Kognitionen während des Anblicks des eigenen Körpers im Spiegel. In Studie II konnte mithilfe von impliziten Verfahren eine verstärkte implizite Abwertung des eigenen Körpers sowie eine stärkere Verknüpfung des eigenen Körpers mit Essen bei Frauen mit Übergewicht und Adipositas im Vergleich zu Frauen mit Normalgewicht nachgewiesen werden. In der anschließenden Interventionsstudie konnte die Spiegelexposition ihre Wirksamkeit als „stand-alone“ Verfahren bei Frauen mit Übergewicht und Adipositas bestätigen. Sowohl die Spiegelexposition als auch die kognitiv-orientierte Körperbildintervention führten im Vergleich zu einer Wartekontrollgruppe zu signifikanten Verbesserungen in der Körperunzufriedenheit sowie der Esspathologie, welche auch zum Follow-Up Zeitpunkt nach drei Monaten aufrechterhalten werden konnte bzw. sich weiter verbesserten (Studie III). Zudem konnten unterschiedliche Wirkmechanismen identifiziert werden. Während eine Abnahme der physiologischen Erregung während der experimentellen Körperkonfrontation mit dem eigenen Körper sowie eine weniger negative implizite Einstellung zum eigenen Körper mit einer stärkeren Verbesserung in der selbstberichteten Körperunzufriedenheit beim Spiegelexpositionstraining einherging, scheint eine Zunahme an positiv körperbezogenen Kognitionen Verbesserungen in der kognitiv-orientierten Körperbildintervention vorherzusagen. Die im Rahmen der Dissertation durchgeführten Studien weisen auf die klinische Relevanz der Verbesserung der Körperunzufriedenheit bei Personen mit Übergewicht und Adipositas hin und liefern erste wichtige Hinweise bzgl. der Wirksamkeit und der zugrundeliegenden Wirkmechanismen der beiden untersuchten Körperbildinterventionen. Die weitere Untersuchung der Effektivität und der Wirkmechanismen in einer großangelegten randomisierten kontrollierten Studie könnten zu einer effizienten Nutzung und individualisierten Zuweisung der beiden untersuchten Interventionen beitragen. Stärken und Limitationen sowie die Implikationen der vorliegenden Ergebnisse und künftige zentrale Fragestellungen in diesem Forschungsbereich werden ausführlich diskutiert.

This item appears in the following Collection(s)